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Der Traum vom eigenen Hotel

Couchreisen

Der Traum vom eigenen Hotel

Der Traum vom eigenen Hotel

Eine Gebrauchsanweisung

von Ute Rieger und Robert Cordes

Rezensionsexemplar

Welche tatsächlichen Schritte sind wohl nötig, um dem Traum vom eigenen Hotel nicht nur näher zu kommen, sondern ihn tatsächlich real werden zu lassen? Und wo bleibt bei den drei K’s “Konzeptualisierung, Kostenkalkulation und Kopfzerbrechen” überhaupt der ganze Spaß? Ute Rieger und Robert Cordes, beides einfluss- und erfahrungsreiche Hotelierberater, nehmen in ihrem neu erschienenen Buch Romantiker und Realisten gleichermaßen an die Hand und entführen sie in die (Hotel-)Welt der Selbständigkeit.

Ich freue mich wirklich sehr, dass ich euch heute meine eigenen Gedanken zu dieser interessant gestalteten Gebrauchsanweisung mitteilen darf. Ob ich schon ganz bald selbst Hotelier in spe bin und euch in meinem kleinen (oder großen?) Anwesen an meinem persönlichen Sehnsuchtsziel empfangen werde? Ich verrate es euch am Ende dieser Rezension!

Wir sind uns gar nicht mal so fremd, der kleine Traum und ich. Er verfolgt mich in allen Lebensbereichen. Ich liebe neue Herausforderungen, das Umsetzen kreativer Ideen. Auch während der ein oder anderen Liegestuhlpause am hoteleigenen Strand hockt er ziemlich penetrant bei mir auf der gebräunten Schulter, stupst mich wie ein kleiner unsichtbarer Kobold beim Entspannen an und zieht mir meine geschlossenen Augenlider nach oben. “Ich weiß, du brauchst gerade mal zwei Minuten für dich. Aber ich kenne dich: Nach kurzer Zeit Nichts-Tun langweilst du dich. Also: Schon mal über ein eigenes Hotel nachgedacht?”

Rieger und Cordes kennen diesen kleinen Störenfried wohl auch, der sich nach und nach zu einem richtig guten “stand-by”-Freund entwickeln kann. Sie beschreiben ihn direkt im Prolog unglaublich liebevoll und lassen den interessierten Leser schon einmal ungläubig in Richtung Schulter gucken. Die wirkt nach der Einführungsgeschichte plötzlich irgendwie schwerer als sonst! Dass man aber eben nicht nur gerne in der Sonne faulenzen wollen sollte, wenn man sich seine eigene Welt in Form eines Hotels erschaffen möchte, werden die beiden noch äußerst eindringlich auf den darauffolgenden 160 Seiten schildern. 

“Ohne Mut geht keine Existenzgründung!”

Und wie mutig die im Buch beschriebenen Quereinsteiger doch alle sind! In den umfangreichen und spannenden Exkursen “Einfach machen!” wird mir klar, wie mutig und innovativ viele frisch gebackene Hoteliers ihren langen und teilweise steinigen Weg zum eigenen Hotel gemeistert haben. Menschen wie du und ich, die ihre Vision erfolgreich in die Tat umgesetzt haben. Ausnahmslos alle von ihnen haben während ihrer Reise in die Selbständigkeit die vier M’s verinnerlicht, wie Rieger und Cordes es so schön beschrieben haben: Man Muss Menschen Mögen. Ob diese Eigenschaft wohl auch Robert Redford und Clint Eastwood aufweisen können? Wir lernen nämlich auch, dass etliche Hollywood-Bekanntheiten auch selbst Gründer kleiner oder großer Hotels waren – ihr werdet Augen machen, was sich so manche Stars und Sternchen aufgebaut haben! Mittlerweile sind aber nicht mehr nur prominente Hausherren oder ganz allgemein bekannte Gäste das beste Marketing für jedes neue Haus. Rieger und Cordes wissen: Durch den digitalen Wandel hat auch die Hotelbranche eine Revolution erfahren. 

Ich sehe das durchaus wie die beiden Autoren. Wer in unserer heutigen schnelllebigen Zeit als Hotelier bestehen und bekannt werden möchte, muss das kleine Einmaleins der Social Media-Welt nicht nur verstehen, sondern unbedingt verinnerlichen. Ein Instagram-Account, der nur mit wunderschönen aber sterilen Bildern befüllt wird, nimmt sich selbst das Nahbare, das von vielen – speziell jungen – Gästen gerne gesehen wird. Ob Blicke hinter die Kulissen, Rückschläge, die in ehrlichen Postings beschrieben werden oder ein fröhliches Hallo aller Hotelmitarbeiter*innen als persönlicher Videogruß: Storytelling ist mittlerweile das A und O der Kommunikation. Und wieso spinnen wir den Social-Gedanken nicht einfach weiter? Das Hotel “Anne Sophie” macht es laut Rieger und Cordes bereits vor: Ein Drittel der Angestellten im Hotel sind gehandicapt, aber können mit ihrer Einzigartigkeit auftrumpfen. Von dieser Art der Integration am Arbeitsplatz können sich sicherlich einige eine Scheibe abschneiden.

“Seit ihrer Entstehung sind Hotels ihrer Zeit oft weit voraus.”

Tatsächlich habe ich noch nie großartig darüber nachgedacht, aber da ist definitiv etwas Wahres dran! Leo und ich haben beispielsweise erst gestern ganz allgemein darüber gequatscht: Hat man Menschen früher gefragt, was sie sich zur schnelleren Fortbewegung wünschen würden, war die Antwort in der Regel: Schnellere Pferde. Keiner ist auf die Idee gekommen zu sagen: Eine Maschine die mich von A nach B bringt. Vor allem Hotels haben schon damals bahnbrechende Ideen hervorgebracht, auf die einfach niemand sonst gekommen ist und – das ist ja das besondere daran – salonfähig gemacht. Ihr werdet beim Lesen des Buches genau wie ich staunen, welche Erfindungen in oder auch für Hotels geschaffen wurden, die mittlerweile im normalen Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Tausend Dank liebes “Savoy”, “Adlon” und Co. für so viel durchdachten Luxus und Komfort!

“Wer ein Hotel gründet, sucht nicht das Glück. Er schafft ihm Platz, damit andere es dort finden. Und natürlich auch: man selbst.”

All’ die vielen Checklisten-Punkte klingen so logisch und doch kann sich ein jeder Wannabe-Hotelgründer glücklich schätzen, dass sie in “Der Traum vom eigenen Hotel” so klar, strukturiert, und deutlich aufgelistet werden. Der Leser erhält viele wichtige Denkanstöße in Bezug auf die Lage, die einzigartige Konzepterstellung sowie aktuelle Trends und Gegentrends. Er muss sich mit mitunter anstrengenden aber notwendigen Fragen auseinandersetzen. Ich habe diese Gedankenspiele beim Schmökern geliebt und erfahren dürfen, dass die Liebe zum Detail und die Liebe zum Menschen (und ganz besonders zu den eigenen Mitarbeitenden – Stichwort “Employer Branding”) als Neugründer eines Hotels Hand in Hand gehen müssen, wenn man Erfolg haben möchte.

Ich war zudem erstaunt und begeistert, mit wieviel Mehrwert das Autorenpaar auch an eher schwierigere Themen wie die Liquiditätsplanung, den Marketing- und Vertriebsplan oder die Bauphase herangeht und diese beschreibt. Als völliger Neuling auf diesem Gebiet und als jemand, der in den Schulfächern Wirtschaft und Mathematik früher eher als Deko fungiert hat, konnte ich einige Aha-Momente erleben. Rieger und Cordes kümmern sich ab der ersten Zeile darum, dass man als angehender Hotelier wenig bis keine Zeit oder Chancen verschenkt und genau nachvollziehen kann, wie “der Hase so läuft”.

Dass aber auch sie den ein oder anderen Fehler in der Vergangenheit gemacht haben, beschreiben sie uns auf sympathische Art und Weise mit witzigen Anekdoten.

“Wir ließen erste Gäste auch schon mal vom Flughafen abholen und erstmal stundenlang eine Stadtrundfahrt mit unserem spontan zum Fremdenführer ernannten Fahrer machen – schlicht, um mehr Zeit für letzte Handgriffe rauszuschlagen.”

Applaus für soviel Ehrlichkeit! Aus Missgeschicken kann man immer etwas lernen – auch hierfür finden Rieger und Cordes die richtigen Worte: Auf keinen Fall scheuen, sich Rat zu holen und lieber zu früh als zu spät dran sein!

Früh dran sein lohnt sich sogar manchmal ganz besonders: So beschreibt Katja Just in einem der vielen Exkurse, dass sie bereits Ende der 1990er eine Internet-Domäne für ihr neues Hotel freigeschaltet hat, was nach Beginn des digitalen Zeitalters zu einer problemlosen ganzjährigen Auslastung geführt hat – war sie doch quasi die Einzige in ihrer Ecke, die so fortschrittlich war! 

Danke für den spannenden Mix aus theoretischem Input und echten (Erfolgs-)Geschichten, liebe Ute Rieger und lieber Robert Cordes. Ich bin mir sicher, ihr werdet als erfahrene Hotel-Experten und Krisenhelfer noch etliche Unterkünfte vor dem Schließen bewahren und zu neuem Glanz verhelfen können! Vielen Dank auch an das primo PR-Team für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Bleibt nur noch zu klären, ob ich jetzt auch unter die Hoteliers gehe. Ich sage niemals nie, aber erst einmal überlasse ich diese spannende Angelegenheit anderen – die passende Gebrauchsanweisung liegt ja nun für jeden Interessierten zum Kauf vor! 😁